Sehen, wie die Zeit davonläuft

Ich schreibe. Für Geld. Oder gegen Geld? Jedenfalls verdiene ich damit mein Geld. Daher ist es wichtig, dass ich auch tatsächlich schreibe, wenn jemand etwas von mir Verfasstes haben möchte. Zum Glück kommt das nicht so selten vor.
 
 
 
 Es bedeutet aber auch, dass ich meist schneller abgeben muss, als ich will.

Blogparade: Ist das eine Schreibblockade?

Ist das eine Schreibblockade?

Meine Kollegin Kerstin Hoffmann, besser bekannt als PR-Doktor, hat dazu aufgerufen, Tipps zu Schreibblockaden zu verraten. Hier also ein Beitrag zu meinen „Schreibblockaden“.

Es kommt vor, dass ich alle Fakten, Interviews, Hintergrunddaten und Kuriositäten zu einem Thema vorliegen habe, doch dann passiert – nichts. Ich schreibe nicht. Ich surfe im Internet, ich mache meine Umsatzsteuervoranmeldung (!), ich lese, ich esse Snickers („wenn’s mal wieder länger dauert“), schreibe auch Emails und Anderes – nur kein Wort an meinem Artikel.

Es fehlt am ersten Satz. Meine Kollegin Britta Freith hat dazu den Tipp, einfach irgendwas auf das Papier zu schreiben. Wirklich irgendwas, egal wie banal es auch sein mag. Falls es peripher etwas mit dem Thema zu tun hätte, wäre es gut, schreibt sie. Ich habe das noch nie versucht. Ich weiß nicht, ob es bei mir funktionieren würde. Ich habe eine andere Strategie:

Ich sehe der Zeit zu, wie sie mir davonläuft.

Was für ein Ärger

Ich gebe zu: das ärgert mich. Ich würde wirklich gerne einfach anfangen. Ich habe dann das Gefühl, als würde ich mich nur davor drücken. Als wäre ich undiszipliniert und könne auch niemals mehr mit diesem Artikel fertig werden. Aber egal, wie sehr ich mich dann auch selbst an den Stuhl und das Thema zu fesseln versuche, ES GEHT EINFACH NICHT!

Wenn ich mich genug geärgert habe, werde ich langsam nervös. Es ist wieder eine Stunde vergangen. Vielleicht habe ich in der Stunde sogar andere produktive Sachen gemacht. Meist waren das aber keine Prio A Aufgaben. Sie waren entweder nicht dringend, oder nicht wichtig. Im ungünstigsten Fall waren sie weder noch.

Ich habe schon mal versucht, an einer anderen Stelle im Text einzusteigen. Nicht am Anfang. Vielleicht mag ich einfach Anfänge nicht, dachte ich. Ich musste aber feststellen, dass ich Anfänge sehr wohl mag. Vor allem, wenn sie einmal da sind. Nur woher nehmen?

Zeit, nach Hause zu gehen

Scheinbar wird es heute nichts mehr. Wirklich ärgerlich. Den ganzen Tag bin ich um diesen noch unsichtbaren, noch nicht einmal gedachten Text geschlichen und nun resigniere ich. Ich mag nicht mehr. Nur einen Satz schreibe ich noch. Damit ich vielleicht morgen besser reinkomme. Also los!

… … … …

Ich warte. Und warte. Und dann tippe ich einen Satz. Zaghaft, aber ich schreibe einfach mal einen hin. Und noch einen. Und einen dritten. Und ehe ich weiß, wie mir geschieht, fließt der Text aus mir heraus. Ich kann kaum so schnell tippen, wie das passiert. Ich staune über mich selbst, aber lasse es geschehen. Zu Beginn eines Absatzes weiß ich noch nicht, worum es im nächsten gehen wird, aber sie fügen sich „einfach“ wie Puzzleteile zusammen. Wie von selbst entsteht ein roter Faden. Das macht Spaß!!!

Nein, keine Schreibblockade

Hatte ich eine Schreibblockade? Ich glaube nicht. Nachdem ich festgestellt habe, dass dieses System bei mir immer funktioniert, versuche ich, mich vorher weniger unter Druck zu setzen. Inzwischen kann ich sogar manchmal darüber lachen: jetzt sitze ich schon wieder hier und schreibe nicht. Aber es wird schon kommen, Christine. Mach dir keine Sorgen!

Ich sehe diesen Prozess gerne als innerliche Recherche. Scheinbar müssen sich die Informationen erst in meinem Gehirn sortieren. Sie müssen irgendwie prozessiert und umstrukturiert, zerkleinert und hin- und hergeschoben werden, bevor sie wieder raus dürfen. Und da nützt es nichts, zu drängeln.

Ich weiß nicht, ob die Geschichte jemandem nützt, der von sich sagt, er oder sie leide unter einer Schreibblockade. Es ist kein konkreter Tipp, kein Leitfaden, kein 1., 2., 3. Für mich kann ich sagen, dass diese Phase des Nicht-Schreiben-Könnens – auch wenn sie nervt und anstrengend ist – einen Sinn hat. Mein einziger Tipp ist daher vielleicht, nicht zu schnell und zu sehr an sich zu zweifeln. Denn schreiben macht Spaß; vor allem nach dem Nicht-Schreiben.

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1 Kommentar zu „Sehen, wie die Zeit davonläuft“

  1. Gefällt mir Ihr Beitrag und ich kann es sehr gut nachvollziehen. Ich denk auch, jeder Artikel, Text odere in meinem Fall, die Reden kommen raus, wann immer sie fertig sind. Es ist wirklich sinnvoll andere Dinge zu erledigen, auch wenn sie nicht Priorität A haben.

    Aber erledigt ist erledigt und bei der Vorsteueranmeldung ist das doch ein tolls Ergebni 🙂

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